Blog 2: Was man nicht alles tut…
Neben den großen Weltreligionen gibt es unzählige Lehren, Philosophien und Weisheiten, die versprechen, die Sinnfrage und andere existenzielle Fragen des Lebens zu beantworten. Sie alle wollen uns helfen, vom ständigen Hoffen und Bangen hin zu tiefem Frieden und Liebe zu gelangen.
Oder anders gesagt: Sie versprechen uns, dem Fluss des Lebens endlich bedingungslos vertrauen zu können, das „wahre Sein“ zu leben, im Einklang zu sein, die eigene Mitte zu finden, die Seele zu „entfesseln“ – oder Gott zu finden.
Wohlklingende Worte. Und die Auswahl ist riesig..
Aufgesaugt wie ein Schwamm
Vieles versprach, mir die ersehnten Antworten zu geben. Neben den religiösen Glaubenssystemen tauchte ich ein in die Welt der Philosophie, Wissenschaft und Psychologie. Ich sammelte spirituelles Know-how aus dem Zen, dem Yoga, den Veden, der Bhagavad Gita und Advaita/Nicht-Dualität. Ich besuchte Satsangs, beschäftigte mich mit Atheismus und anderen „Ismen“, esoterischem Wissen, Regeln und Riten. Ich las die mystischen Schriften der Sufis, der christlichen Mystik, durchforstete New-Age-Bewegungen und das alte Wissen der unterschiedlichsten Naturvölker.
Wo versteckte sie sich nur, diese erleuchtende Erkenntnis, die in die Freiheit führt? Wer konnte mir die Antworten liefern? Und vor allem: Wusste ich überhaupt, wonach ich wirklich suchte?
Damals saugte ich alles auf wie ein Schwamm. Es verging kein Tag, an dem ich nicht ein neues Buch las oder eine neue Internetseite durchforstete. Wie von der Tarantel gestochen jagte ich nach dem absoluten Wissen, das den Durst nach Verstehen endlich stillen sollte. Nichts durfte ausgelassen werden. Jede Art der Wissensvermittlung war willkommen.
Dieses unendliche Weltwissen, verpackt in Bücher, würde vermutlich den Burj Al Arab in Dubai bis an die Decke füllen – wenn das überhaupt ausreicht. 🙂
Der Informations-Tsunami
Die Ernüchterung folgte nach etwa zehn Jahren dieser Informationsflut: Ich sah den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Die Fragen waren nicht geklärt – ganz im Gegenteil. Jede Antwort, die ich fand, warf automatisch mindestens drei neue Fragen auf. Kennt ihr das? Es ist wie das Drehen in einem Hamsterrad. Kein Ende in Sicht.
Versteht mich nicht falsch: Es ist überhaupt nichts dagegen einzuwenden, sich zu belesen und Informationen aus zweiter Hand zu sammeln. Es ist hochinteressant, und das Leben kann sich dadurch gefühlt schon ein wenig leichter und angenehmer anfühlen. Das ist gut möglich.
Aber tief im Inneren blieb dieses Gefühl, dass immer noch etwas hinzugefügt werden muss. Etwas schien ständig zu fehlen, nicht gut genug zu sein. Etwas war nicht ganz rund, nicht optimiert, nicht vollkommen.
Aber was?
STOPP!
Wie sich herausstellte, ging es gar nicht um Worte und angesammeltes Wissen.
In einem Restaurant geht es schließlich auch nicht um die Speisekarte, sondern um das Essen. Oder anders formuliert: Die Landkarte ist nicht das Land selbst.
Was wäre, wenn ich mich einfach mal hinsetze und selbst – hier und jetzt – nach diesem Ich und seinem scheinbar „bösen“ Gefährten, dem Ego, schaue? Nach diesem Etwas, das da ständig nach neuer spiritueller Nahrung sucht. Was sucht da eigentlich genau?
Mit dem Verstand zu verstehen – also mit den Gedanken und ihren hollywoodreifen Schlussfolgerungen –, das hatte offensichtlich nicht geklappt.
Vielleicht war es an der Zeit, die Sinne und die unmittelbare, sinnliche Erfahrung mit einzubeziehen? Die hatte ich bei all der Leserei bisher nämlich überhaupt noch nicht in Erwägung gezogen.
Eigentlich eine gute Idee… 🙂